

Reisetipps für weiter entfernt gelegene Ziele von der Hansestadt Bremen
Seite 2 / 6
Besiedelt wurden Bereiche um die Flensburger Förde ab spätestens Mitte des 12. Jahrhunderts, dass daraus schnell eine Stadt entstand, dafür spricht die Verleihung des Stadtrechts 1284 durch den damaligen dänischen König, das der Herzog von Schleswig bestätigte. Das Dokument ist bis heute erhalten. Heute gibt es zwischen Flensburg, der damals wichtigsten Stadt des Herzogtums, und dänischen Orten in Grenznähe Linienbusverkehr, Autos mit dänischem Kennzeichen sind in der Fördestadt ein alltäglicher Anblick und dänische Flaggen sind häufig zu sehen. Schließlich gibt es in dem nördlichsten Bundesland eine wahlberechtigte dänische Minderheit.

Auch bei trübem Regenwetter bringt das typisch skandinavische Rot Farbe in die Szenerie
Doch die Beziehungen zwischen der dänischen Krone und den deutschen Nachbarn waren nicht immer harmonisch. Der Deutsch-Dänische Krieg 1864 beendete die Machtfrage über die Herzogtümer Schleswig und Holstein zugunsten der Koalition von Preußen und Österreich. Das Bündnis zerbrach jedoch kurz darauf und mündete 1866 in den Deutschen Krieg zwischen Preußen sowie dem von Österreich angeführten Deutschen Bund. Seit dem Sieg Preußens und der Gründung des Deutschen Reichs unter preußischer Führung gehört Schleswig-Holstein zu Deutschland.

Denkmal Kaiser Wilhelm I. in Kiel, Inschrift im Sockel: „Wilhelm dem Ersten. Das befreite Schleswig-Holstein“. Damals noch König von Preußen, Kaiser wurde er erst 1871
Aber zurück zum Hafen. Der Weg vom Hafen in der Innenstadt bis zur offenen Ostsee ist ein längerer, was den Hafen zu einem vergleichsweise sicheren Hafen machte. Von hier aus wurde reger Handel getrieben und Flensburg blieb auch ein gefragter Handelsplatz, nachdem die einst mächtige Hanse, der Flensburg allerdings nie angehörte, weitgehend ihre Segel gestrichen hatte. Viel gehandelte Güter waren neben dem Hering, Produkte wie Tran aus dem damals für viele Seefahrer lukrativen Walfang vor Grönland, sowie Zucker. Kriege wie der Dreißigjährige Krieg im 17. Jahrhundert zerstörten allerdings viele Handelsstrukturen, von den unzähligen Toten mal abgesehen.

Windsbraut von Hermann Menzel (1972) vor einem Gebäude von 1883 am Alten Schiffbrückplatz
Die Stadt an der Förde und damit auch der Hafen erlebte im 18. Jahrhundert dann noch einmal einen wirtschaftlichen Aufschwung und zwar dank des Rum-Handels. Die Unternehmer in Flensburg waren dabei mehr Händler, als Produzenten, denn der Rum, der von den Unternehmen in der Stadt in der Regel verschnitten wurde, wurde destilliert importiert. Dass die Bezugsquellen aus Übersee mit dem Machtwechsel nach 1864 (siehe oben) wechselten, änderte nichts daran, dass der Handel alles andere als fair verlief, sondern hinsichtlich der Rohstoffe, wie etwa auch dem Rohrzucker, der in der Stadt raffiniert wurde, auf Ausbeutung bis zur Sklaverei basierte.

Rum-Tradition: A. H. Johannsen in der Marienstraße
Noch heute ist Rum ein Thema in der Stadt, z. B. in dem Kleinod „Rote Straße“, die Tradition lebt und es wird fairer gehandelt. Wer mehr zur maritimen Geschichte Flensburgs erfahren möchte, sollte ins Schifffahrtsmuseum direkt am Hafen gehen.

Produkte in der Auslage von Wein & Rumhaus Braasch in der Roten Straße
An der Westseite des Hafens stößt man auf mehrere historische Gebäude, die Dank der vergleichsweise geringen Zerstörungen im 2. Weltkrieg erhalten geblieben sind. Dazu gehört auch das 1602 errichtete Kompagnietor, das mit zu den ältesten Profanbauten der Stadt zählt. Neben Hochwassermarken aus Ostseestürmen von 1694, 1835 und 1872, zeigt die Front des ehemaligen Versammlungshauses der ortsansässigen Schiffer farbige Wappen. Zum einen das Wappen der Stadt mit der Inschrift (übersetzt) „Gerecht und mäßig allzeit sein mit Gottes Hilfe bringt großen Gewinn“, sowie darüber die Wappen von Christian IV., König von Dänemark und Norwegen (1588 - 1648) mit seinem persönlichen Wahlspruch „Ragna firmat pietas“ (Frömmigkeit stärkt die Reiche) und seiner Frau Anna Katharina von Brandenburg mit dem Spruch „Patientia vincit omnia“ (Geduld überwindet alles).

Blick auf das 1602 errichtete Kompagnietor
Geduld braucht man vielleicht auch in Stoßzeiten in Hansens Brauerei in historischen Mauern. Hinterher kann man zumindest behaupten, Bier in Deutschlands nördlichster Gasthausbrauerei getrunken zu haben.

Hansens Brauerei in historischen Mauern
Ein besonderes Schmuckstück der städtebaulichen Geschichte ist der unbedingt sehenswerte Oluf-Samson-Gang. Heute sehenswert, muss man sagen, denn bis 2015 ein städtisches Sanierungskonzept umgesetzt wurde, hatten die kleinen Häuser schon bessere Tage gesehen. Der mit Feldsteinen gepflasterte Gang geht namentlich auf den Kaufmann und Reeder Oluf Samson zurück. 1582 wurde er Bürger der Stadt und bekam durch Heirat Zugriff auf Immobilien und Grundstücke unter anderem auch in der Gasse. Dort ließ er einige Häuser bauen, die er an Matrosen vermietete. Das letzte Hemd hat keine Taschen, sagt man, für etwaige Taschen hätte er zu seinem Todeszeitpunkt ohnehin nur wenig gehabt.

Einige Häuser im Oluf-Samson-Gang, das mittlere ist Baujahr Anno 1780
Die heutigen Häuser sind deutlich jüngeren Datums und stammen überwiegend aus dem 18. Jahrhundert. Was sich heute geschmackvoll und historisch ansprechend präsentiert, war zeitweise die Rotlichtmeile der Stadt. In vielen Fenstern hängen Schilder mit einem Ausschnitt zur Historie. So war etwa die Witwe Emma Buchholz „bekannt dafür, dass sie den Frauen Kaffee und Kondome im 10er-Pack verkaufte.“

Haus im Oluf-Samson-Gang
vorhergehende Seite![]()
nächste Seite

Weinhundert - Store & Bar in der Roten Straße

... nur das rote Tor steht nicht mehr

Geschmackvolles Angebot

Hof mit gastronomischem Angebot

Eingang zum Neptun-Hof am Nordermarkt

Oluf-Samson-Gang zwischen Norderstraße und Museumshafen

Historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert gegenüber der St. Marien-Kirche

Fenster

An der Museumswerft

Blick vom Kapitänsviertel auf den historischen Hafen bei Nacht

Seebrücke in Glücksburg

Marina in Glücksburg